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Die Glandorfer Wallfahrt zum heiligen Kreuz auf dem Stromberg

 

 

Seit ca. 350 Jahren findet alljährlich die Glandorfer Wallfahrt nach Stromberg statt. Sie gilt als die älteste Wallfahrt in Glandorf, doch leider gibt es keine Quellen, die auf ihre Anfänge verweisen. Dabei ist das Ziel dieser Pilgerfahrt weitaus älter:

Das heilige Kreuz auf dem Stromberg bei Oelde.

Dieses Kreuz zieht seit mehr als 800 Jahren christliche Pilger aus dem weiten westdeutschen Raum an. Das romanische Kreuz, ein „Holzcrucifixus“ mit einem Haupt von beinahe byzantinischer Strenge und mit Silber ummantelten Korpus, gehört zu den ältesten Christusdarstellungen in Westfalen. Kunsthistoriker datieren den aus westfälischer Eiche geschnitzten Corpus in die Zeit um 1080 - 1100.

Eine alte Erzählung besagt, dass ein Stromberger Burggraf dieses Kreuz beim Besuch eines Klosters geschenkt bekommen habe. Er wollte es in der örtlichen Lambertikirche aufstellen lassen. Allerdings, so die Legende weiter, fand man es immer an der Stelle wieder, wo später die Kreuzkapelle errichtet wurde.

Deren Erbauung sowie auch die Anfänge der Wallfahrt kann man auf die Jahre um 1200 ansetzen. Die Kreuzkirche wird 1207 als "major ecclesia in castro" (die größere Kirche in der Burg), im Vergleich zur burgeigenen Georgskapelle, genannt. Eine Urkunde aus dem Jahre 1208 bezeugt für Stromberg schon eine blühende Wallfahrt. Bei dieser Kirche handelt es sich jedoch um einen Vorgängerbau der heutigen Kreuzkirche, denn im Jahre 1316 brannte das Gotteshaus "durch die böswillige Tat eines Abtrünnigen" ab. Im Jahre 1344 konnte Stromberg zur Einweihung der neuen Kreuzkirche einladen. Sie gilt heute zusammen mit der Überwasserkirche der Bischofsstadt Münster als bedeutendster Bau des 14. Jh. im Münsterland.

Aus der ursprünglichen Kirche wurde das Kreuzheiligtum übernommen. Jedoch wurde dieses in den folgenden Zeiten dreimal (1600, 1845 und 1877) gestohlen und beschädigt. Aber es konnte jedes Mal wiederaufgefunden, restauriert und an seinen alten Platz zurückgebracht werden.

Besonders gefördert wurde die Wallfahrt von den Bischöfen von Münster nach dem 30-jährigen Krieg. Das Bistum Münster war in den Wirren der Reformationszeit katholisch geblieben. Wallfahrten als christlicher Brauch sollten das katholische Bewusstsein stärken. Vermutlich geht auch die Glandorfer Gemeindewallfahrt auf diese Zeit um 1650 zurück. Es ist aber auch möglich, dass schon vorher einzelne Wanderer oder kleine Gruppen dorthin gepilgert sind. Ob für die Gemeindewallfahrt ein bestimmter Anlass, wie Seuchen oder hohe (Kinder-)Sterblichkeit, vorlag, ist nicht mehr bekannt, aber durchaus denkbar.

Die Glandorfer Wallfahrtszeit nach Stromberg

lag in der Zeit um den 24. Juni, dem Fest der Geburt Johannes des Täufers. Die Glandorfer halten sich bis heute an diesen alten Termin und eröffnen in Stromberg die Wallfahrtssaison. In einem Buch über die Stromberger Wallfahrt heißt es:

„Glandorf mit 200 - 250 Teilnehmern und einem Geistlichen kommt am Samstag nach dem Feste Johannes Baptist. Es hat einen Wallfahrtsverein, welcher nur solche als Mitglieder aufnimmt, die wenigstens dreimal die Prozession mitmachten. Der Verein besitzt ein Vortragskreuz und vier Fahnen, von denen eine das Bild des Gekreuzigten trägt nach dem Bild auf dem Stromberg gestickt. Außerdem gebrauchen die Mitglieder ein eigenes Wallfahrtsbüchlein. Die Wallfahrt dauerte früher zwei Tage, seit 1910 per Bahn Warendorf–Oelde gebraucht sie einen Tag. Hierzu wäre noch zu ergänzen, dass die Pilger damals von Theo Fischer mit einem LKW nach Warendorf zur Bahn gebracht wurden. Auf dem LKW waren eine Reihe Bänke aufgestellt.“

Mit der Wallfahrt verbunden waren in neuerer Zeit folgende Namen:

Schneidermeister Karl Thorbeck und Karl Maag leiteten die Wallfahrt nach Stromberg. In der nationalsozialistischen Zeit musste deshalb Karl Maag sogar für zwei Tage nach Osnabrück ins Gefängnis. Nur über Umwege war damals überhaupt eine Erlaubnis zu bekommen, eine Wallfahrt durchzuführen. Nach dem Tode von Karl Maag († 1965) übernahm Schneidermeister Paul Stockhoff die Wallfahrtsleitung. Ab 1990 wurde die Leitung von Arnold Lemper und Willi Maag übernommen.

Das Pilgern und Wallfahren erlebt heutzutage eine Renaissance. In den letzten Jahren sind unzählige Pilgerwege entstanden, wie zum Beispiel die wieder-entdeckten Streckenabschnitte des alten Jakobsweges sowie neu eingerichtete Pilgerwege zu markanten Zielen. Die Glandorfer Wallfahrt nach Stromberg besitzt darüber hinaus eine markante Zwischenstation.

Die Ölberg-Klause am Hof Kleine-Brockmann in Glandorf / Sudendorf ist über 100 Jahre alt und wurde im Auftrag der Familie errichtet. Sie ist mit einem kunstvollen Jesus-Bildnis, genauer gesagt mit einer Ölberg-Szene, ausgestattet. Diese Skulptur befindet sich, einem historischen Schreiben des bischöflichen General-Vikariats zufolge, seit bereits 1891 in den kleinen Häuschen, das zur Andacht einlädt. Sie wurde vom bekannten Bildhauer Heinrich Seling (1843-1912) geschaffen, dessen bedeutende Werke auch in Kirchen in und um Osnabrück zu finden sind (u.a. auch im Osnabrücker Dom).

Ehemals führte die traditionell jährlich stattfindende Prozession zum Vinnenberger Kloster die Menschen an dieser Stelle vorbei, doch nach dem Ausbau des Weges zur Kreisstraße 339 wurde die Route verlegt. Aber noch heute ist die Klause Anlaufstelle für die Stromberger Wallfahrt. Nachdem sie frisch restauriert wurde, fand dort 2014 die Abschlussandacht der ersten ökumenischen Wallfahrt nach Stromberg statt. Unter dem Motto „Sich von Gott bewegen lassen“ gingen evangelische und katholische Christen, jung und alt, Kinder und Jugendliche, Erwachsene, Familien und Alleinlebende, Suchende und Fragende, Hoffende und Zweifelnde einen gemeinsamen Weg.

      Wallfahrt Stromberg 

 

http://www.wallfahrt-stromberg.de  

Film-Link: 

Einzug in Telgte 2016


https://www.youtube.com/watch?v=Sp1H4Srfv-M

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_Nachlese

Donnerstag,den

12.07.2018

nach der Abendmesse

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So   16.09.2018

 Vinnenberger Wallfahrt