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        Glandorfer Wallfahrt nach Telgte 

                         seit 1846                                

Das Leben in Glandorf um 1800

Glandorf wurde in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts unter ständig wechselnde Regierungen gestellt. Im Jahr 1803 wurde Glandorf als Teil des Bistums Osnabrück dem Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg („Kurhannover“) zugeschlagen. Kurze Zeit später
gehörte Glandorf zum Königreich Preußen, bis 1806 der preußische König Friedrich Wilhelm III. gegenüber den französischen Truppen kapitulieren musste. 1807 wurde von Napoleon das Königreich Westphalen gegründet. Glandorf gehörte nun zum Kanton Ostbevern, welches dem Arrondissement Warendorf unterstellt war. Glandorf setzte sich in der Mehrzahl aus Bauern, Kötterfamilien und Heuerlingen (Landwirte ohne Grundeigentum) sowie einigen Handwerkern und Kaufleuten zusammen. Napoleon hatte den Bauern die Aufhebung der Eigenbehörigkeit versprochen und zuweilen auch die Möglichkeit zur Loslösung von den übrigen feudalen Pflichten geschaffen. Als sich nach der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) das Königreich Westphalen auflöste, wurde Glandorf dem neu entstandenen Königreich Hannover unterstellt, welches alle Reformen der französischen Zeit streichen ließ. Dadurch wuchs die Unzufriedenheit der Bauern und Heuerlinge stetig, da sie immer größeren Belastungen durch Abgaben und Frondienste, die sie als Eigenbehörige zu leisten hatten, ausgesetzt waren. Durch die Agrarreformgesetze von 1831 mussten sich die Bauern von ihren Gutsherren freikaufen. Die Grundherren durften für die Befreiung von den verschiedenen Lasten bisweilen das 25fache der üblichen Jahresabgaben verlangen. Das war für die Loslösungsbestrebten ein mitunter nur schwer aufzubringendes Vermögen. Demzufolge verschuldeten sich viele Bauern so sehr, dass sie letztlich ohne Landbesitz waren. Durch die Aufteilung der gemeinen Mark, also der Gemeindewiesen, auf denen auch landlose Heuerlinge ihr Vieh weiden lassen durften, wurde die Situation der Bevölkerungsmehrheit immer problematischer. Die Gemeindewiesen wurden unter den Landbesitzern aufgeteilt und landlose Bauern gingen leer aus. Hinzu kam, dass die häusliche Leinen-Weberei, die ein lebensnotwendiges Zubrot der Kleinbauern und Heuerlinge war, seit den 1820er Jahren nur noch wenig einbrachte. Krankheiten und insbesondere Seuchen, wie zum Beispiel die Ruhr und die Tuberkulose, verschonten auch Glandorf nicht. 1830 wurde aufgrund einer schlechten Ernte zu einem Hungerjahr. Im Jahre 1833 begann die erste Auswanderungswelle von Glandorfern in Richtung Amerika. Weitere Missernten, extrem kalte Winter und Hagelschauer im Sommer 1844 verschlechterte die Situation zusehends. Deshalb wurden die Jahre 1845 und 1846 zu Hungerjahren, wobei erschwerend hinzukam, dass die Kartoffelkrankheit von 1845 bis 1847 die gesamte lebensnotwendige Ernte vernichtete.


 

All diese historischen Ereignisse lassen erahnen, warum sich Glandorfer trotz eines Verbotes durch die preußische Regierung auf dem Weg zum Gnadenbild nach Telgte machten. 

Die Glandorfer Telgter-Fußwallfahrt erfolgte erstmals im        Jahr 1846 und ist somit 6 Jahre älter als die                                  Osnabrücker Telgter-Wallfahrt. 

Die geografische Lage Telgtes war sicherlich ein Motiv, warum sich Glandorfer gerade auf diesen Weg ohne beschwerliche Steigungen machten. Der Weg in Richtung Osnabrück war weitaus mühseliger. Der Passweg über den Herrenrest zwischen Bad Iburg und Georgsmarienhütte wurde erst im Jahre 1932 um 25 Meter an Höhe abgetragen. Zuvor nutzen die Menschen noch die alte Heerstraße, die heute nur noch als Forstweg dient. Im Jahre 1826 wurden mehrtägige Wallfahrten von der preußischen Regierung untersagt. Dadurch kam das Wallfahren fast zum Erliegen. Erst im Jahre 1837, nachdem der Kölner Erzbischof durch die preußische Regierung verhaftet wurde, brach der Erstarrungszustand langsam auf und wich einer Protesthaltung, die später um 1871 im Kulturkampf gipfelte. Der preußische Staat lockerte das Wallfahrts-Verbot erst am 11. März 1850, als ein Gesetzt erlassen wurde, nach dem nur noch „nicht althergebrachte“ Wallfahrten genehmigt werden mussten. Bereits in den Anfängen der Glandorfer Wallfahrt im Jahre 1846 begleiteten Kommunionkinder im Engelwagen den Zug. Das Fuhrwerk, welches der Kutscher Hohenbrink lenkte, wurde mit etwa 2,00 Mark entlohnt, aber oft blieb es auch nur bei einem „Gotteslohn“. Zu dieser Zeit wurde eine Wallfahrtskerze im Wert von ca. 26,00 Mark angeschafft. Darüber hinaus veröffentlichte der Landdechant und Pastor zu Glandorf, Bernhard Schmitz, das Glandorfer Gesangsbüchlein für Wallfahrten, welches im Jahr 1897 bereits in  

2. Auflage gedruckt wurde. Darin enthalten ist das altbekannte Wallfahrtslied: „Auf nach Telgte“.  Ebenso ist die Osnabrücker Fußwallfahrt zum Gnadenbild der „Schmerzhaften Mutter“ in Telgte ursprünglich aus einer Volksfrömmigkeit erwachsen, die durchaus kritisch von der Osnabrücker Kirchenleitung gesehen wurde. Diese wurde erstmals am 30. März 1852 vom Weihbischof Dr. Lübke in Osnabrück offiziell genehmigt. Ab 1856 wurde per Verordnung festgeschrieben, dass die Wallfahrt von nun an vom Pfarrkaplan bzw. -vikar der Pfarrei St. Johann angeführt werde. Da die Zahl der Alkoholkranken in jener Zeit immer mehr zunahm, wurde ein Mäßigkeitsverein vom Kaplan von St. Johann zu Osnabrück gegründet, worauf viele Gemeinden dem Vorbild aus St. Johann nacheiferten. Durch Verbote wollte man den Alkoholkonsum minimieren. Auch auf der Wallfahrt wurde das Mitführen und Einnehmen geistlicher Getränke verboten. Dieses Verbot galt noch in den 1950er Jahren, wobei in den Wallfahrtsbüchern jener Zeit auf die Bischöfliche Bestimmung von 1852 verwiesen wurde, wonach jeder Genuss von gebrannten Getränken gänzlich zu vermeiden sei. In den Kriegsjahren 1864 bis 1866 (preußisch-dänischer Krieg) und während des Kulturkampfes 1871-1882 wurde die Wallfahrt erneut verboten. Fast jede zweite Gemeinde im Osnabrücker Land hatte damals keinen Pfarrer mehr. Diesen Verboten widersetzten sich viele Pilger, die nun fortan in kleinen Gruppen nach Telgte gingen.  Der Glandorfer Wallfahrtsverein löste sich allerdings 1901 auf. Im Jahre 1902 wurde die Gebetsklause am Gut Oedingberge errichtet, die seither als Rastpunkt der Wallfahrt dient. Bauherr war die Kirchengemeinde St. Johann zu Osnabrück. Durch die Vermittlung von Ludwig Windthorst, dessen Frau Julie vom nahegelegen Rittergut stammt und die er in der Kapelle des Gutes heiratete, wurde von nun an im „Wald des Herrn“ gepredigt. Seit jener Zeit ist dieser Ort eine der wichtigsten Stationen der Wallfahrt, da hier auch heute noch die Predigt unter freiem Himmel abgehalten wird. In den Kriegsjahren 1914 bis 1918 bestand der Pilgerzug überwiegend aus Frauen, da unzählige Väter, Söhne und Brüder Kriegsdienst leisten mussten. Im Jahre 1936 wurde die Osnabrücker Telgter-Wallfahrt zum letzten Mal nach alter Tradition durchgeführt, bevor sie 1940 von den Nationalsozialisten endgültig verboten wurde. Dennoch trafen sich 1938 und 1939 rund 4000 Pilger in Telgte. Auch in den Folgejahren des 2. Weltkrieges kam die Wallfahrt nie ganz zum Erliegen. An der Jubelwallfahrt 1947 nahmen rund 7000 Pilger teil. In den Nachkriegsjahren wuchs die Zahl der Teilnehmer stetig. Die Kapläne der Jugendseelsorge, insbesondere der Diözesanseelsorger der Mannesjugend, Vikar Paul Biedendieck, der gebürtig aus Glandorf kam und daher von Kindheit an mit der Wallfahrt
vertraut war, bemühte sich erfolgreich um eine Beteiligung der kirchlichen Jugendgruppen. 1954 wurde die B51 verlegt, so dass die Klause auf Oedingberge einen neuen Platz erhalten musste. Im Jahre 1955 wurde dann die alte Pieta von Erzbischof Berning eingesegnet. Zwölf Jahre später (1967) wurde auf dem Rückweg nach Oesede die neue Pieta für jene Klause durch Dechant Hiltermann eingeweiht.
Das Wetter hatte seit jeher einen starken Einfluss auf die Wallfahrt. 1959 lagen die Temperaturen am Wallfahrtssamstag bei 40-45 Grad. Der Straßenbelag war aufgeweicht und immer wieder blieben Schuhe in der Teerdecke stecken. Beim Auszug aus Ostbevern gab es zudem ein gewaltiges Unwetter. Der erste Zug, den seinerzeit traditionell die Frauen stellten, flüchtete in die Straßengräben. Die Männer, die sich noch im Ort befanden, suchten Schutz in den Häusern. Im Jahre 1971 mussten sogar 702 Pilger aufgrund der großen Hitze ärztlich versorgt werden.
 

Die Neugründung des Glandorfer Wallfahrtsvereins 1994

Am 30. Juni 1994 gründete sich der Glandorfer Wallfahrtsverein unter der Leitung des Glandorfer Pfarrers Johannes Underbrink erneut. Zur ersten Vorsitzenden wurde seinerzeit Maria Hülsmann gewählt und ferner gehörten dem ersten Vorstand folgende Personen an: Anton Landwehr, Karl Gründker, Josef Knappheide, Martina Hohenbrink, Wilhelm Erpenbeck sowie Magdalena Beckmann. Ebenfalls wurden ab diesen Zeitpunkt Busse am Wallfahrtssonntag für den Rücktransport

eingesetzt. Auch wurde von nun an ein Wallfahrtswagen, zunächst von der Familie Högemann und später von der Familie Gründker zur Verfügung gestellt und von Mitgliedern der Kath. Landjugend, ab 1995 durch Reinhold Frese (Sudendorf) und später durch Ewald und Manfred Pues gefahren. Die Glandorfer Wallfahrtsfahne wurde dann 1996 eingeweiht. Die Stickerei einer alten Fahne wurde vom Benediktiner Kloster Hasetor Osnabrück auf einem neuen Untergrund übertragen. Eine Arbeit, die jedes Jahr mit Stolz auf der Wallfahrt mitgeführt wird.
Erste Veränderungen standen 1998 an, als Willi Erpenbeck aus dem Vorstand verließ und Dieter Hagedorn seine Funktion des Pressewartes übernahm. Die Kommunionkinder blieben auch in den Folgejahren ein zentrales Thema der Glandorfer Wallfahrt nach Telgte. 1999 wurden die Kommunionkinder im Pfarrbrief aufgerufen sich an der Wallfahrt zu beteiligen. Leider war die Teilnehmerzahl von nur zwei Kindern, die in Telgte beim Einzugssegen begrüßt werden konnten, sehr enttäuschend. Doch im Jahr 2000 wurde zum ersten Mal eine Fahrt extra für Kommunionkinder angeboten, an der sich 90 Kinder beteiligen und in den folgenden Jahren stieg die Anzahl stetig an. Die Beteilung war in der folgenden Zeit allerdings aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge etwas rückläufig. Doch die Wallfahrt erfreut sich allgemein einer großen Wertschätzung, was vor allem an den Teilnehmerzahlen abzulesen ist. Zum Beispiel nahmen 2002 an der 160. Jubiläumswallfahrt insgesamt über 11500 Pilger teil. Ein Umstand, der den Glandorfer Wallfahrtsverein zu besonderen Aktivitäten veranlasste. Eine davon war die Einsegnung des Vortragekreuzes, die 2008 auf Oedingberge durch Bischof Bode vorgenommen wurde. Der Corpus, vom „Herrgottschnitzer Weber“ handgeschnitzt, wurde zuvor von Paul Puke liebevoll zu einem Vortragekreuz umgearbeitet. 
Im Jahr 2009 standen bereits weitere Veränderungen an: Willi Erpenbeck wurde zum neuen Vorsitzenden gewählt und der neue Vorstand setzte sich aus Dieter Hagedorn, Karl
Gründker, Andrea Puke, Hubert Kleine-Kracht und Gundula Lemper zusammen. Andrea Puke verließ 2011 den Vorstand und es rückten Jürgen Uthoff, Georg Hamm und Annette Herbermann nach.
Um den Pilgern, die Glandorf während der Wallfahrt besuchen, einen freundlichen Empfang zu bereiten, wurden 2012 Fahnentore, die alljährlich am Orts Ein- und Ausgang angebracht werden, angeschafft.
2013 konnten wiederum zwei neue Vorstandsmitglieder gewonnen werden: Anne Buller und Dieter Recker lösten Gundula Lemper und Hubert Kleine-Kracht in ihren Ämtern ab. Mittlerweile im Jahr 2014 angelangt, scheint die Begeisterung für eine der traditionsreichsten Wallfahrten im Osnabrücker Land ungebrochen, denn 10500 Pilger die sich auf den Weg zum Gnadenbild nach Telgte machten, sind ein offenkundiger Beleg dafür.

Annette Herbermann
Quellen:
- Karl H. Schneider: Bauernbefreiung
- Sautmann, Richard: Ländliche Alltagsgeschichte und lokale Geschichtsvermittlung: Die Bad Laer
Geschichte in der Neuzeit (2002).
- www.te-gen.de (Tecklenburger-Familienforschung)
- www.historicum.net
 Historische Betrch
Osnabrücker Telgter Wallfahrt 150 JahreProtokoll Wallfahrtsgründung Glandorf 1996Kultour Gut! Glandorf- Heimat und Kulturverein Glandorf 

      

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http://www.kultourgut-glandorf.de  

Film-Link: 

Einzug in Telgte 2016 






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